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Die Chronik der Grabmteufln

Wenn sich in den ersten Dezembertagen die Auslagen der Bäckereien mit den Figürchen von Krampus und Nikolaus füllen, ist dies für viele Kinder in den großen Städten heute manchmal die einzige Begegnung mit den vielfältigen Elementen des Nikolausbrauchtums, das sich indessen sonst in nahezu allen Teilen Ober-österreichs in beträchtlicher Intensität erhalten hat. 

So wurde aus dem einstigen Faschingsbrauch, der die stillere Zeit, nach der harten Arbeit des fast vergang-enen Jahres etwas erheitern sollte, ein besinnliches Vorweihnachtsfest für Jung und Alt. In früherer Zeit zählte das „Nigl’n gehen“ noch, wie vorhin schon erwähnt, zu den heiteren Aktivitäten.

Die Knechte der Bauern taten sich zusammen, um in ähnlicher Art und Weise wie jetzt, die Fehler und Vergehen, die während des vergangenen Jahres gemacht wurden, anzuprangern und durch die „Schwarzen“ bestrafen zu lassen. Das Anprangern wurde in oft gar lustiger aber auch beschämender Weise von den „Weißen“ dargebracht und betraf meistens ihre Dienstgeber und Herren, die auf die schlechte Behandlung ihrer Untergebenen angesprochen wurden. Dies wurde zur Erheiterung aber auch mit dem Ziel der Erleichterung für das kommende Jahr gemacht und im laufe der Zeit als Erziehungs-maßnahme für die Kinder umgewandelt. In Kleinreifling reichen die Erzählungen bis 1930 zurück, wobei schon damals anstelle des Weißen die Nikolausfigur eingeführt worden war.

So zogen die Burschen zu den Bauern in die Au hinauf, um den Leuten das „Evangelium“ vorzutragen.Der Nikolaus war mit geliehenem Messgewand des Herrn Pfarrers bekleidet und seine Helferin, das Nikolausweib, die ebenfalls weiß bekleidet war, trug die Geschenke, welche für die braven Kinder bestimmt waren.Die „Krampusse“, so wurden dann die Schwarzen genannt, waren in dunklen Schafspelz gehüllt, trugen Fellmasken und machten mit ihren Kuhglocken und Schellen schon von weitem auf sich aufmerksam.Nachdem die Kinder beschenkt oder auch bestraft worden waren, mußten sie in ihren Kammern verschwinden, so konnten später die „Weißen und Schwarzen“ ohne „Loaven“ wieder in die Stube kommen, um sich zu stärken.Die Weißen wurden in der Bauernstube mit Tee und Kuchen verköstigt, die Schwarzen hingegen mußten in der Gesindestube mit Most, Schnaps und Rübensalat vorlieb nehmen. 

Die Habergeiß, die das ganze Jahr über an den Fenstern horcht und dem Niglo über Gut und Böse Auskunft gibt (symbolisch  gemeint wegen der eigenen Tiere im Stall), wurde bei uns 1940 Bestandteil des Krampuslaufens. Sie wurde damals von Herrn Franz Salcher aus einer Fichtenwurzel  geschnitzt und ist bis heute Jahr für Jahr im Einsatz. 

Diese Besuche in der Au und später auch im Hammergraben gab es bis Ende der 50iger Jahre.Zwischen 1960 und 1970, das war die Zeit, in der der Neue Ort durch den Kraftwerksbau in Kastenreith entstand, war es um dieses Brauchtum eher ruhig geworden.In den Jahren danach, fanden sich aber wieder junge Leute, die dieses Treiben wieder aufleben ließen und auch im Neuen Ort mit Hausbesuchen begannen.

Ab 1979 übernahm die Gewerkschaftsjugend diese Aktivität und führte das Brauchtum unter der Obhut von Renate Weidinger, Ertl Franz sen., Ernst Aschacher und Herbert Seebauer weiter bis 1985.Von dieser Zeit an gehörte auch das Krampuskränzchen in den örtlichen Wirtshäusern zum Programm.Nachdem die meisten Aktiven in den darauffolgenden Jahren aufhörten, wurde der Brauch nur mehr von einer Handvoll Idealisten, allen voran Ertel Franz sen., weitergeführt.Zusammen mit Reinhard Hoffmann konnten ab 1988 wieder viele Begeisterte gefunden werden, um beim Nigl’n mitzuwirken, und diesen schönen Brauchtum für die nächsten Generationen aufrecht zu erhalten. 

In den letzten Jahren wurde viel Zeit und Geld in die Restaurierung bzw. Neugestaltung der Ausrüstung gesteckt. So können sich jetzt alle Krampusse in echten Fellkostümen und in zum großteil selbst geschnitzten Holzmasken präsentieren. Verschiedene Utensilien, wie Ketten, Glocken, Schellen und Buckelkörbe runden das Erscheinungsbild der 60 Mitglieder starken Gruppe ab. Natürlich werden auch die Ruten jedes Jahr aus frisch gehacktem „Besenåster“ (Birkenreisig) neu gebunden und verteilt. 

Den Höhepunkt der jährlichen Aktivitäten bildet seit 1990 die große Krampusausfahrt auf dem Kleinreiflinger Dorfplatz. Da hat der „Oberkrampus“ alle Hände voll zu tun, um während des Evangeliums und beim Durchtreiben der Habergeiß unter den rund 35 Gråbm-teufln für Ruhe zu sorgen.Neben der eigentlichen Darbietung wird aber auch ein beachtliches Rahmenprogramm geboten.

Einige Standl’n der Kleinreiflinger Vereine mit heißen Getränken und deftigen Jausen, Geschenke für alle Kinder, das Bläserquintett des Musikvereines, die Jargdhornbläser machen diese Veranstaltung zu einem vorweihnachtlchen Fest für Jung und Alt. Sehr beliebt sind bei der Bevölkerung immer noch die Hausbesuche, bei denen sich vom Ablauf her seit Jahrzehnten nichts geändert hat. Ob beim Besuch der Familien zuhause, im Altenheim oder in der Lebenshilfe in Weyer, immer wieder erleben die Menschen berührende Momente. 

Reinhard Hoffmann und Andreas Fößleitner Die Oberteufel der Kleinreiflinger Grabmteufln Kleinreifling, im September 1998